Torsten Riemann in Berlin
Torsten Riemann tritt auf, und zwar am 28. Oktober 2005 in Berlin in der Studiobühne Alte Feuerwache.
Leider mußte Torsten das Konzert aus gesundheitlichen Gründen absagen. Daher schreibe ich im Folgenden mal ein paar Meinungen zu seinen bisherigen Konzerten.
Ausserdem sei an dieser Stelle noch an seine Release Party am 03.02.2006 in Berlin verwiesen, die ich natürlich ebenfalls wärmstens empfehle.
Gerold Paul, Potsdamer Neueste Nachrichten vom 18. April 2005:
“…Der Berliner scheint die unsichtbare Grenze vom „Liedermacher“ zum Chansonier längst überschritten zu haben. Wenn er seine Schöpfungen vorträgt, schaut er den Leuten in die Augen. Absolute Bühnensicherheit, kraftvolle Stimme vom ersten bis zum letzten Part, perfekte Beherrschung von Gitarre, E-Piano und Akkordeon zur Begleitung, dazu über mehr als zwei Stunden Substanz, welche sich, ganz irdisch, um Liebe, Tod und Leben drehte..
…Riemann scheint jemand zu sein, der einfach nicht satt wird. Nach altindischer Lehre würde man ihm den Status permanenter Leidenschaft zuordnen müssen, gleichweit vom Himmel und dessen Gegenteil entfernt. „Alles ist möglich, doch wo ist der Sinn?“ fragt er mit blitzenden Augen in die Runde. Eine durch und durch dynamische Person, so extensiv wie intensiv im Ausdruck, poetisch im Wort, melodisch in seiner Musik, begeistert vom Chanson und seinem Vorbild Jaques Brel, welchem er mit zwei Kontrafrakturen originell huldigte. Vielleicht auch ein Verführer, ein Aufwiegler der Schwachen und Gleichgültigen, der „vom Weltschmerz Infizierten“: „Aus Angst davor, zu weinen, hören wir auf zu lachen“. Er singt für jedermann und alle Lebenslagen…”
Ursula Maier-Eichhorn, Süddeutsche Zeitung Nr. 115 vom 20. Mai 2003:
…Riemann ist keiner der sich anbiedert, der geschmäcklerisch Rücksicht nimmt auf das Publikum. Seine Texte, gnadenlos deutlich und voll tiefer Einsichten, erfordern ständig waches, konzentriertes Mitdenken. Träumerisches, genussvolles Zurücklehnen beim Zuhören ist nicht vorgesehen, auch wenn die musikalische Gestaltung seiner Lieder ausdrucksstark und voller Abwechslung ist.
Und Christoph Schütte, Frankfurter Allgemeine vom 08. Februar 2002:
…Es ist vor allem die Lust am Leben, trotz alledem, die Riemann in seinen meist selbst geschriebenen Liedern besingt.
“Morgen nehm’ ich mir mein Leben und geb’ es nie wieder her”, lautet folglich sein Credo. Und man glaubt es ihm.
…Den stärksten Eindruck hinterlassen jene Balladen, in denen er seiner “Lieblingsfarbe Bunt” eindrucksvolle Schattenbilder in Schwarzweiß gegenüber stellt: Diese Traurigkeit, mit der er eine alte Liebe besingt, die von AIDS gezeichnet ist, die Angst vor dem Alleinsein in der Stunde des Todes. Immer wieder setzt Riemann das Akkordeon oder den Flügel ein, um die Perlen milder Melancholie glänzen zu lassen. Dann singt er nachdenklich von dem Moment, von der “Ahnung vom Glück”, die bleibt, wenn man geht.
Soweit so gut – da ich schon ein paar Titel von ihm gehört habe, kann ich mit ruhigem Gewissen sagen, daß sich dieser Auftritt lohnen wird. Ich jedenfalls freue mich schon darauf.
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