Ich habe vor ein paar Tagen einen Vermittlungsvorschlag vom Arbeitsamt bekommen. Meinen Ersten in einer Branche, in der man heute zutage alle halbe Jahre den Job wechseln muss oder wieder beim Arbeitsamt „Kunde“ ist. Und siehe da, es war ein 1-Euro-Job. Stellenbeschreibung: Mitarbeit in der Allgemeinen Verwaltung, Sichtung der Unterlagen, Archivierung, Führung von Listen. Ich erinnerte mich noch einmal daran, dass ich ein Abi habe und Graphik studierte und Legastheniker bin (Lese-Rechtschreibschwäche). Also ist doch ein Job in der Verwaltung genau das Richtige für mich, oder?! Außerdem handelte es sich um eine „unter 25 Maßnahme“. Dafür möchte ich mich noch einmal beim Arbeitsamt bedanken. Soviel Schmeichelei galt meinem Aussehen schon lange nicht mehr.
Bei dem Job angekommen fasste sich die zuständige Dame an den Kopf. Und mit dem Kommentar:“ Was sollen sie hier mit Ihren Qualifikationen. Die machen doch schon wieder totalen Murks. Und außerdem sind Sie der zweite Graphiker in 45 Minuten. Wir haben hier definitiv nichts für Sie. Aber wenn sich was ergibt, melden wir uns.“ entließ sie mich wieder.
Zwei Tage später erhielt ich einen Anruf:“ Wir haben einen 1-Euro-Job für Sie bei uns im Haus. Es geht dabei um Öffentlichkeitsarbeit in Fuhlsbüttel….“
Ich möchte das an der Stelle noch mal zusammenfassen:
- ich bin vom Arbeitsamt gezwungen diesen Job anzunehmen, sonst streichen die mir jede Hilfe. Es ist also Pflichtarbeit…etwa gleich zusetzten mit Sozialstunden. Bin ich eigentlich schon verurteilt? Und was war eigentlich meine Straftat?
- da braucht jemand einen Graphiker, kann sich aber keinen leisten. Also nimmt er sich einen 1-Euro-Jober. Was dann mit einschließt, da ich ja den Job nehmen muss, dass ich mir jetzt den eigenen Arbeitsplatz wegnehme. Und zwar für 1 Euro, den ich auch gleich wieder verfahre um zum Arbeitsplatz zu kommen.
- Mir selbst nehme ich dabei nicht nur jede wirtschaftliche Grundlage für zukünftige Arbeit, sondern auch noch die Zeit, mich neu zu bewerben. Und das für 30 Stunden die Woche, also 120 Euro im Monat. Jeder Student verdient mehr als Aushilfe. Ach ja…die gehörten ja zu der Gruppe, die mir meinen Arbeitsplatz schon weggenommen hatten, weil sie so günstig waren. Tja, diesmal bin ich günstiger. Und natürlich auf 10 Monate befristet. Und dann? Na dann gelte ich nach dem Job als unvermittelbar, weil der mir ja keine Arbeit gebracht hat.
- Das ganze heißt übrigens in Amtssprache „AKTIV-JOB“. Gibt’s eigentlich auch inaktive Jobs? Her damit!
- Aber es kommt noch besser. Ich rief zurück, um mich genauer zu informieren, was das denn für ein Job sei. Es ginge um Stadtteilmarketing, Texten und Internetgestaltung. Hallo… ich verstehe rein gar nichts vom Programmieren und habe eine Lese-Rechtschreibschwäche. Und das ganze soll auch sehr kurzfristig starten, also praktisch sofort von Dienstag bis Freitag. Ich bin ja so dankbar. Der beste Spruch war aber definitiv: „ wir schätzen uns glücklich Ihnen mitteilen zu können, dass bei uns ein PC frei geworden ist…“
Ja ist denn das zu fassen. Ein ganzer PC. Dafür ja Gott sei Dank kein ganzes Gehalt oder ein ganzer Job…
Wenn denn der Job anteilig finanziert wird und angeblich keinen Arbeitsplatz gefährdet, also extra eingerichtet wird, wie es immer heißt, dann könnte ich das doch auf einen ganzen Arbeitnehmer umrechnen. 120 Euro statt 1500 Euro und 30 Stunden statt 42 Stunden… nach der Rechnung würde es genau aufgehen und genügen, wenn ich mein zweites paar Schuhe hinschicke…und mehr bezahlen die eh nicht.
Ich möchte mich aber noch einmal beim Arbeitsamt ganz herzlich bedanken. Dafür dass ihr allererster Vermittlungserfolg oder auch die erste Vermittlungstätigkeit seit 6 Jahren, in denen ich von Zeit zu Zeit wechselnd bei Ihnen Kunde war, sofort zu meinem wirtschaftlichen Ruin führen.
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