4. Dezember 2020

Was war, was wird

Es ist nun fast eine Woche her. Mittlerweile ist es nicht mehr ganz so extrem, ich kann wieder einigermaßen klar denken und sogar unter Leute gehen, wenn auch nur kurz. Menschen sind mir momentan irgendwie zu anstrengend, und das hat absolut nichts mit Corona zu tun.

Nein, der Grund sitzt wesentlich tiefer. Dort, wo normalerweise das Herz sitzt, ist momentan ein tiefes Loch.

Ich arbeite seit über 11 Jahren für Wieske’s Crew GmbH, einen IT Dienstleister. Den Geschäftsführer und Gründer des Unternehmens, Thomas Wieske, allgemeinhin als thw (in Kleinbuchstaben!) bekannt, kannte und schätzte ich seit über 20 Jahren.

Und genau hier ist das Problem. Denn dieser Mann weilt seit letztem Wochenende nicht mehr unter uns.

Ich habe die letzten Tage viel darüber nachgedacht, was ich schreiben will. Ich wusste, ich muss etwas schreiben, einfach um die Gedanken rauszulassen, sie nicht in mich hineinzufressen, aber es ging einfach nicht. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen, und selbst jetzt fällt es mir schwer, die richtigen Worte zu finden.

Ich kann nicht behaupten, dass wir die superbesten Freunde waren, der Thommy und ich. Wir sind nicht gemeinsam in Urlaub, wir waren nie zusammen im Kino oder im Schwimmbad oder am Wochenende durch den Kiez gezogen. Es war größtenteils die berufliche Ebene, aber diese dafür sehr intensiv. In einem kleinen Unternehmen, mit gerade mal 5 Mann, wovon einer nur Teilzeit und ein weiterer von Barcelona aus arbeitet, ist die persönliche Ebene deutlich stärker als wenn man beispielsweise Personalnr. 42315 bei der Telekom ist. Man teilt nicht nur arbeitsrelevante Dinge, sondern auch viel Privates miteinander, man redet viel über Gott und die Welt, und irgendwann vermischt sich das Berufsleben und das Privatleben miteinander.

Jedenfalls war thw ein äußerst wichtiger Teil in meinem Leben, und es fällt mir verdammt schwer, zu akzeptieren, dass er nicht mehr da ist. Ich erwische mich dabei, wie ich morgens zur Arbeit komme und am Treppenhaus nach links schaue, wo normalerweise sein Fahrrad geparkt war, in der Hoffnung, dass es – entgegen jeglicher Logik – dort steht und er oben im Büro sitzt.

Nun sitze ich still am Schreibtisch, starre meist Löcher in die Luft und versuche irgendwie, meine Arbeit trotzdem weiterzumachen, denn durch seinen unerwarteten Tod habe ich nicht nur ein mentales Problem, sondern auch ganz pragmatisch diverse technische Probleme am Hals, die ich nicht einfach ans Ende der Trauerphase verschieben kann.

Eigentlich sollte dies eine Art Nachruf werden, aber während ich diese Zeilen schreibe, fängt mein Kopf schon wieder an, abzuschalten… in diesem Sinne werde ich mich mal lieber in die Welt von The Witcher III zurückziehen und ein paar Monster abschlachten, in der Hoffnung, dass mein Kopf dann zumindest für eine Weile aufhört, über die Endgültigkeit des Todes nachzudenken.

Mach’s gut, thw, und danke für den ganzen Fisch.

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