26. Februar 2020

Wenn Erkan Höcke wählt

Ich hatte letztens ein surreales Erlebnis. Da ich eine recht große und schwere Bestellung mir habe ins Büro schicken lassen, musste diese ja irgendwie nach Hause. Da bot es sich an, sich ausnahmsweise mal die Dienste eines Taxis zu genehmigen. Gesagt, getan. „Der Wagen mit der Nummer soundso kommt in 3 Minuten.“ Ich steige an, sage mein Fahrziel an und der Fahrer düst los. Soweit ein ganz normaler Abend. Bisher.

Man kommt – wenn man gefühlt 5 mal die Woche Taxi fährt, grundsätzlich ins Gespräch mit dem Fahrer. Isso. In einer kurzen Gesprächspause wird im Radio im Zuge der Nachrichten erwähnt, dass laut einer BILD Umfrage die CDU in Schleswig-Holstein nur noch knapp vor den Grünen liegt und bei der nächsten Wahl eine Regierungsbeteiligung in greifbarer Nähe scheint.

Mein Fahrer reagierte auf die Meldung mit einem „Wenn die Scheiß Verbrecher von den Grünen an die Macht kommen, geht Schleswig-Holstein endgültig den Bach runter“ – oder so in der Art, den genauen Wortlaut habe ich nicht mehr im Kopf, aber die Kernaussage kommt hin.

Wie auch immer, Ich bin jetzt nicht der massiv politische Typ, aber in einem Punkt habe ich eine eindeutige Meinung und daher antwortete ich auf seine Aussage mit einem „Naja, mag sein, dass die auch nicht mehr so grün sind wie früher, aber lieber die als die Blauen.“ Das war der Beginn meines surrealen Erlebnisses.

Mein Fahrer war nämlich offensichtlich ein glühender Verfechter der Nazi-Partei des Faschisten Bernd Höcke, welche in blauer Jacke und brauner Unterwäsche daherkommt. Erkan (Name geändert) erzählte mir dann erst mal, dass er die AfD gar nicht so schlimm findet, jedenfalls besser als diese linksradikalen Grünen. Mein Argument, dass die AfD massive Probleme mit Ausländern hat, konterte er damit, dass er mir erst mal erklärte, dass in der besagten Partei mehr Ausländer wären als in den anderen Parteien – Quellen für diese Behauptung nannte er freilich nicht.

Er selbst sei ja Türke und wisse dass die AfD ein Problem mit Ausländern hat, aber nur mit denen, die uns ausnutzen wollen, so wie die syrischen Flüchtlinge. Es wäre ja ein Unding, dass die alle zu uns kommen, um sich mit Hilfe unseres spendablen Sozialsystems die ganzen Schmarotzer durchfüttern und dann noch den Transfer ihrer Angehörigen zu uns finanzieren zu lassen. Und die AfD ist die einzige Partei, die das sieht und was dagegen tun will.

Abgesehen davon sei ja wohl klar, wenn jemand was gegen AfD-Wähler hat, ist er ja genau genommen auch ein Rassist. Schließlich ist jeder ein Rassist, der gegen eine irgendwie geartete Gruppierung ist, ob das jetzt schwarze, Juden, Türken oder halt auch Angehörige und Unterstützer einer bestimmten Partei seien. An dieser Stelle versuchte ich noch, ihm zu vermitteln, dass die Definition von Rassismus eher was mit Hautfarbe und/oder Herkunft zu tun hat als mit Parteizugehörigkeit, so von wegen „Ein Afrikaner kann nichts dafür, dass er schwarz ist, ein AfD Wähler hat aber selbst entschieden, dass er die AfD wählt.“. Kam irgendwie aber nicht an. Die Frage, ob er dann nicht doch ein Rassist sein müsse, wenn er so gegen syrische Flüchtlinge und die Grünen wettert, bekam er scheinbar gar nicht mehr mit.

Eigentlich hatte ich noch ein paar weitere Argumente im Hinterkopf, aber die Art und Weise, wie Erkan sich fast schon in Fanboy-Manier heißgeredet hat, vermittelte mir recht schnell die Erkenntnis, dass ich hier nichts bewirken kann. Der Mann war so verblendet, dass er jegliche Fakten eh angezweifelt hätte. Insofern war ich ganz froh, dass meine Fahrtstrecke nach 8 Minuten wieder zu Ende war.

Werde wohl in Zukunft zweimal überlegen, ob ich mich auf ein Gespräch mit dem Taxifahrer einlassen will.

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